„Machen wir das einfach per Handschlag" — und drei Monate später wartest du auf Geld, das nie kommt. Jeder Freelancer lernt es einmal: Ohne Vertrag arbeitest du auf Hoffnung, nicht auf Rechnung. Diese Grundlagen schützen deine Arbeit und dein Einkommen.

Warum du nie ohne Vertrag arbeitest

Ein Vertrag klärt, bevor es Streit gibt: Was wird geliefert, wann, zu welchem Preis, wer besitzt die Rechte. Selbst bei netten Stammkunden schafft das Klarheit statt Misstrauen — Profis erwarten Verträge. Der teuerste Vertrag ist der, den du nicht geschlossen hast: unbezahlte Nacharbeit, endloses Feedback, verlorene Rechte. Eine einseitige Vorlage genügt für den Anfang; Musterverträge gibt es kostenlos bei Freelancer-Verbänden und Anwalt-Portalen.

Scope: Was genau wird geliefert?

Definiere das Deliverable präzise: „Logo-Design inklusive 2 Korrekturrunden, finale Dateien in SVG und PNG" statt „Logo machen". Lege fest, was NICHT enthalten ist (z. B. Visitenkarten-Layout, Markenrichtlinien). Die Scope-Klausel ist deine wichtigste: Jede Leistung außerhalb wird extra berechnet — sonst frisst „kannst du noch schnell..." deine Marge. Auch Termine gehören hierher: Lieferdatum, Feedback-Fristen des Kunden (sonst blockiert er dein Projekt wochenlang).

Zahlung: So kassierst du pünktlich

Verlange bei Neukunden 30–50 % Anzahlung vor Projektstart — wer das ablehnt, ist ein Warnsignal. Der Rest: fällig bei Abnahme, zahlbar innerhalb von 14 Tagen. Schreibe eine Mahnklausel hinein (z. B. Verzugszinsen) und behalte dir vor, finale Dateien erst nach vollständiger Zahlung zu übergeben. Stelle Rechnungen sofort nach Meilensteinen, nicht „wenn Zeit ist": Jede Woche Verzögerung deinerseits verlängert die Zahlungsfrist des Kunden.

Rechte und Kündigung: das Kleingedruckte

Kläre, wann Nutzungsrechte übergehen — üblich: erst mit vollständiger Bezahlung. Willst du Arbeiten in deinem Portfolio zeigen, sichere dir das Recht dazu schriftlich. Eine Kündigungs- und Kill-Fee-Klausel (z. B. 50 % bei Abbruch nach Projektstart) schützt dich, wenn der Kunde mitten im Projekt abspringt. Geheimhaltung (NDA) nur unterschreiben, wenn nötig — und lies, wozu du dich verpflichtest, bevor du unterschreibst.

Die häufigsten Fehler

Mündliche Zusagen ohne Schriftform, kein Änderungsmanagement, Rechnungen ohne Zahlungsziel. Halte jede Absprache schriftlich fest — eine kurze E-Mail-Bestätigung nach dem Call („wie besprochen: ...") reicht oft schon. Bei Projekten über ein paar Tausend Euro lohnt der Blick eines Anwalts — das Honorar ist günstiger als ein verlorener Prozess. Verträge sind kein Misstrauen, sie sind Professionalität: Sie schützen beide Seiten.